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Die Olivia Jones Welt

Spätestens seit dem Dschungel Camp 2013 ist Olivia Jones wohl jedem Menschen im deutschsprachigen Raum ein Begriff. Mit viel Engagement, Teamgeist, Verständnis und einer gehörigen Portion Humor erkämpfte sich die Drag Queen damals den zweiten Platz. Doch die Erfolgsstory ist viel weitreichender.

Erste Erfolge

Am 21. November 1969 erblickte Oliver Knöbel in Springe das Licht der Welt. Schon bald erkannte er seine Liebe zur Travestie und hatte nur ein Ziel vor Augen – das Showgeschäft. Erste Travestie-Auftritte hatte Oliver bereits während der Schulzeit in Springe, allerdings stets zum Leidwesen von Familie und Lehrern. Sprachtraining, Schauspielunterricht und Maskenbildner-Kurse gehörten fortan zum Leben des zukünftigen Stars dazu. Sogar bei der Bundeswehr-Musterung konnte er es nicht lassen und erschien in Frauenkleidern. Er wurde, angeblich zum eigenen Bedauern, für „wehruntauglich“ erklärt. Im Jahr 1989 zog Oliver nach Hamburg und stellte sich bei Ernie Reinhardt vor. Ernie Reinhardt, wohl besser bekannt als Lilo Wanders war damals Leiter des Schmidt Theaters. Reinhardt war vor allem von Olivers Erscheinung und der außergewöhnlichen Größe von 207 Zentimetern beeindruckt. Er verhalf ihm zu ersten Auftritten im Pulverfass Cabaret. Schon kurze Zeit später erhielt er eine eigene Show im Schmidt Theater auf der Reeperbahn.

Der Durchbruch

Der internationale Durchbruch als Drag Queen Olivia Jones kam im Jahr 1997. Sie konnte sich beim „Drag Queen Contest“ in Miami als „Miss Drag Queen Of The World“ gegen zahlreiche Mitbewerberinnen aus allen Teilen der Welt durchsetzen. Es folgten immer häufiger Fernseh-Engagements. Olivia moderierte mehrfach den Hamburger Christopher Street Day für den NDR. Als Grand Prix-Reporterin stand sie für RTL vor der Kamera. Galas wie jene für UNICEF oder die Aids-Benefiz-Gala „red, hot & dance“ erhielten dank der Künstlerin einen ganz persönlichen Touch. 2004 folgte die Teilnahme an der Castingshow Star Duell auf RTL. Im Jahr darauf zog sie für eine Woche in das Big Brother-Dorf, das sie im Jahr 2008 nochmals besuchte. Gemeinsam mit big-FM-Morgenmoderator Hans Blomberg tourte Olivia 2007 mit der „Lesung Sie nannten mich Tittenmonster“ durch Deutschland. Im gleichen Jahr war sie Tauschmutter bei der RTL 2-Doku-Soap „Frauentausch“. Auftritte in der Realityshow „Das Tier in mir“ und „Mitten im Leben“ folgten, bevor Olivia im Januar 2013 ins Dschungelcamp zog. In der siebten Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! überzeugte Sie die Zuseher vor allem durch ihre offene und ehrliche Art. Sie belegte damals Platz 2.

Auf dem Weg zur Bürgermeisterin

Zu Beginn des Jahres 2004 kandidiert Olivia mit prominenter Unterstützung bei der Hamburger Bürgerschaftswahl. Ein enormes Presse-Echo reichte von Deutschland bis Amerika und Olivia erhielt mehr Stimmen als die Ex-Schill-Partei, die NPD sowie die Partei Bibeltreuer Christen. Aus Olivias Sicht war damit das Image Hamburgs als „tolerante Stadt und Tor zur Welt“ vorerst gerettet. An der Seite von Nina Hagen und vielen anderen Prominenten engagiert sich Olivia ehrenamtlich vor allem für die Tierschutzorganisation PETA. Mittlerweile ist sie nicht nur offizielle Ehrenbotschafterin der Stadt Springe, sondern darf sich auf über ein ganz spezielles Denkmal vor ihrer früheren Schule freuen. Es ist eine Sitzbank, die ein Zitat des „Hamburger Originals“ trägt: „Das Beste im Norden … ist in Springe meine Schule. Hier hat Mann einiges gelernt, was Frau später brauchte – und als schwuler Schmetterling im Schul-Kokon viel Spaß gehabt. Ich kann zwar immer noch nicht gut rechnen – hab’ aber trotzdem jetzt ’ne eigene Bank. Sitz!“

Olivia „regiert“ den Kiez

Dass die Drag Queen neben ihren schauspielerischen Talenten auch viel Gespür für geschäftlichen Erfolg hat, beweisen ihre Projekte auf St. Pauli. Anlässlich der Fußball-WM 2006 veranstaltete die Drag-Queen erstmals eine eigene Touristen-Führung über die Reeperbahn. Die legendären Olivias Safari Kieztouren sind zwischenzeitlich über die Grenzen hinaus bekannt und beliebt. Touristen können mit den Mitgliedern der Jones-Familie das bunte Treiben auf der Reeperbahn aus einer völlig neuen Perspektive kennenlernen. Sündige Sehenswürdigkeiten, schräge Anekdoten und flotte Sprüche gehören zu den einzelnen Führungen dazu. Je nach Wunsch findet das besondere Erlebnis unter der Leitung von Olivia persönlich, ihrer Busenfreundin Eve Champagne, Madame Veuve Noire, Olivias Assistent Sven Florijan, dem Blonden Hans, Kult-Bodygard Eddy Kante, RTL-Comedy-Star Tanja Schumann oder den Travestie Stars Barbie Stupid und Lee Jackson statt. Auch Kult Star Lilo Wanders führt gerne Touristen durch das Reich der Drag Queen. Jede dieser Führungen ist individuell und bekommt durch den jeweiligen Kiez-Insider ein ganz besonderes Flair. Nach den Führungen steht Olivia natürlich für Erinnerungsfotos zur Verfügung. Seit dem Jahr 2008 gibt es auch spezielle Hafenrundfahrten.

Emanzipation à la Olivia

In der berüchtigten Olivia Jones Bar, die 2008 eröffnet wurde, wird bis früh in den Morgen gefeiert und gesungen. Eintritt gibt es keinen, dafür stündlich eine Show. Ebenso wie die Musik ist auch das Publikum bunt gemischt. Mittendrin ist so oft wie möglich die Chefin persönlich anzutreffen. „Damit auch drin ist, was draufsteht“, wie sie selbst immer gerne betont. Das Lokal war einst das Transenpuff „Rasputin“ bevor die Drag Queen die Bar im Erdgeschoss zu ihrer ganz persönlichen und heute auch ganz anständigen Bar gemacht hat. Hier trifft man nicht nur Olivia, sondern auch gute Freunde und Bekannte wie Udo Lindenberg, Hella von Sinnen und sogar Dita von Teese. Seit 2010 liegt auf der großen Freiheit genau gegenüber der Olivia Jones Bar Olivias Wilde Jungs. Olivias Wilde Jungs ist Europas erste Menstrip Bar. Hier haben nur Frauen Zutritt und die Presse spricht nicht umsonst vom „Gipfel der Emanzipation“. Regelmäßig reisen Frauen sogar aus den Nachbarländern an, um den Menstrip in Olivias Wilde Jungs Bar live mitzuerleben. Immerhin ist der älteste Stammgast bereits über 70 Jahre alt. Auch die Prominenz lässt sich hier gerne sehen. Daniela Katzenberger und Dita von Teese haben hier schon gemeinsam mit Olivia gefeiert.

Cabaret, Cabaret

Auch eines der letzten Cabarets auf St. Pauli ist fest in Olivas Hand. Die Große Freiheit 27 in Hamburg St. Pauli steht im Zeichen der alten Geschichten. Der Olivia Jones Show Club ist ein klassisches Cabaret im Stil der Goldenen Zeiten der Reeperbahn. Nachdem man die Garderobe des Clubs passiert hat, geht es durch eine doppelflügelige Schiebetür in den Hauptraum mit gemütlichen Sitzlounges, einer Tanzfläche, einer Bar und einer kleinen Bühne. Üppige Disco-Kugeln und Kronleuchter tauchen den Raum in funkelndes Licht. Highlight im Olivia Jones Show Club ist das ehemalige Separee. Ein Kachelpool aus den 70ern wurde zu einer kleinen Lounge umgebaut. Hier können Gäste jetzt feiern und durch ein Bullauge auf die Bühne schauen. An den Wänden finden sich historische SM-Fotos eines bekannten Kiez-Fotografen. Wer neben dem „heißen“ Programm Lust hat, der kann auf einer kleinen Entdeckungsreise allerlei Spannendes entdecken, wie den kleinen Biergarten oder den schräg im Hof eingesunkenen Brunnen. Und zuletzt sollten Gäste keinesfalls das obligatorische Abschiedsfoto vergessen – mit viel Glück sogar mit dem lebendigen „Original“ Olivia Jones.